Jazzspot Kultur Wenn Phrasendrescher die Ernte einfahren
Wenn Phrasendrescher die Ernte einfahren PDF Drucken E-Mail

Wir haben ein wahrhaft strahlendes Bayerisches Jazzweekend erleben dürfen, das sogar unsere heimlichen Erwartungen um ein Vielfaches übertraf. Im Umfeld des Festes konnten wir in diesem Jahr aber auch ein Phänomen studieren, das parallel zum Rotstift immer mehr negativen Einfluss im Kulturbereich ausübt: den Trittbrettfahrer. Diese Spezies ist ganzjährig aktiv, oft dummdreist, pflanzt sich rasend schnell fort und gefährdet mit ihren Aktionen nicht nur sich, sondern auch die von ihr geenterten Transportmittel. Leider zeichnet sie sich nicht durch ein konformes Erscheinungsbild aus, sondern hat inzwischen eine erstaunliche Artenvielfalt erreicht:

Schon im Vorfeld erfuhren wir, dass ein Veranstalter aus dem Bereich der darstellenden Künste beim Versuch, für dieses Jahr Gelder einzuwerben, dreist behauptete, schon im letzten Jahr Teil des Bayerischen Jazzweekends gewesen zu sein. Das Einzige, was ihn in Wahrheit mit dem Fest verband, war der von ihm clever gewählte Veranstaltungstermin. Als wir ihn damit konfrontierten, stießen wir nicht etwa auf ein schlechtes Gewissen, sondern auf absurde Argumentationen, u.a. sollten wir froh sein, dass man nicht vor hätte, im Namen der Kunst Bühnen zu entern. Erst massiver Druck führte zum Versprechen, das Bayerische Jazzweekend nicht mehr fälschlich als Referenz zu benutzen. Er war der Meinung, wir müssten für diese „Rücksichtnahme“ noch dankbar sein.

 

Vibraphon-Schlegel

"Hohle Köpfe haben den lautesten Klang." - frei nach William Shakespeare

 

Ein anderer junger Künstler teilte uns mit, wir hätten die „Ehre“ sein Kunstwerk – das natürlich keinerlei Bezug zum Jazz hatte - durch eine Sonderveranstaltung kurz vor dem Bayerischen Jazzweekend bewerben zu dürfen. Ihm konnten wir allerdings im Gespräch erfolgreich vermitteln, dass wir das Fest selbst jedes Jahr wieder als eine Art Gesamtkunstwerk betrachten und ausgestalten und unsere Vision einer klaren Linie folgt, die sich nicht mit seiner kreuzt. Ihm gebührt für seine Einsicht und den Respekt vor unserem Konzept ehrlicher Dank – im Gegensatz zu den rücksichtslosen Straßenmusikern, die sich ohne jede Genehmigung lautstark an Engstellen und sogar nach 22:00 Uhr breitmachten.

Beim Fest selbst hinterließen zwei externe Musikveranstalter ihre „Visitenkarten“ für alle gut sichtbar als teils bodendeckenden Flyer-Müll. Das Unglaubliche dabei: es geschah nicht zum ersten Mal und in beiden Fällen waren Menschen verantwortlich, denen bekannt war, dass die Stadt ein wildes Verteilen grundsätzlich untersagt. Die Auslage von Werbezetteln an den Infoständen stand dagegen als konkrete Alternative im Raum. Solche „Macher“ berauben den Jazz seiner verbindenden Wirkung, er verkommt zum Etikett, aus dem Profit geschlagen werden soll. Wenn man selbst jenseits des Programmflyers aus Umweltgründen auf solche Werbemittel verzichtet, bleibt einem nur ein resigniertes „Na Danke“.

Nach dem Jazzweekend erreichte uns dann noch ein Rundschreiben, in dem sich jemand sogar die „Durchführung“ des Bayerischen Jazzweekends ans Revers heftete. Unglaublich, aber wahr. Trotz allem auch hier ein Grund, dankbar zu sein: greifbar daran erinnert zu werden, warum Manche sich als vertrauenswürdige Kooperationspartner in keinem Fall eignen.

Wir haben in diesem Artikel reale Beispiele skizziert, aber keine Namen genannt, weil diese leider austauschbar sind. Uns geht es darum, einen Trend aufzuzeigen, und echte Macher zu ermutigen, ihre Visionen und ihre harte Arbeit mit Mut zu schützen. Wir hoffen aber auch Entscheider anzuregen, nicht jeder Behauptung Glauben zu schenken. Denn eines ist sicher: Wenn Phrasendrescher die Ernte einfahren, wird Kultur pervertiert.

Kommentare (0)
Kommentar schreiben
Ihre Kontaktdetails:
Kommentare:
[b] [i] [u] [url] [quote] [code] [img]   
:D:angry::angry-red::evil::idea::love::x:no-comments::ooo::pirate::?::(
:sleep::););)):0
Security
Bitte geben Sie den Anti-Spam-Code aus diesem Bild ein.
 

Wer ist online

Wir haben 3 Gäste online